Copilot erfolgreich einführen

Sven Schmückler, Cloud-Experte & Berater

  • Microsoft

Die Einführung von Künstlicher Intelligenz in Ihrem Unternehmen wird häufig durch äußere Impulse angestoßen. Ihre Geschäftsführung liest Berichte über Produktivitätsgewinne durch KI, Partnerunternehmen berichten von ihren Erfahrungen oder Wettbewerber kommunizieren bereits ihre KI-Strategie. Daraus entsteht bei Ihnen nachvollziehbarer Handlungsdruck.

Copilot-Einführung: Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Copilot-Einführung ist mehr als das Verteilen von Lizenzen. Sie betrifft Ihre Datenqualität, Berechtigungen, Governance und die Arbeitsweise der Mitarbeitenden.
  • Copilot Web Chat und Microsoft 365 Copilot sind zwei unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichem Funktionsumfang und Datenzugriff.
  • Sie befinden sich aktuell wahrscheinlich in einer von drei Phasen: Sie beobachten, Sie testen, oder Sie führen ein konkretes Pilotprojekt durch.
  • Historisch gewachsene Berechtigungen und unstrukturierte Daten sind das größte Risiko für schwache Ergebnisse und Datenschutzprobleme bei Ihnen.
  • Ohne klare Ziele, eine durchdachte Pilotgruppe und Erfolgsmessung bleibt der Nutzen von Microsoft Copilot für Sie unsichtbar.

Der erste Schritt zur Copilot-Einführung: Warum die IT-Abteilung allein nicht reicht

Der erste Schritt führt meist zur IT-Abteilung. Dort beginnt zunächst eine Evaluierungsphase, die Zeit verschafft und erste Erkenntnisse liefert. Schnell zeigt sich jedoch, dass zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Copilot-Einführung oft nicht geschaffen wurden. Berechtigungen in Ihrem SharePoint sind über Jahre gewachsen, Ihre Datenbestände wurden nicht konsequent klassifiziert und ein vollständiger Überblick über sensible Informationen fehlt häufig.

Gleichzeitig werden erste Lizenzen beschafft und an ausgewählte Mitarbeitenden verteilt. Solange Ihre Nutzergruppe klein bleibt, fallen mögliche Probleme kaum auf. Sichtbar werden sie meist erst später, wenn Copilot auf veraltete Dokumente, alte Kalkulationen oder längst vergessene Teams-Bereiche zugreift und diese Informationen in Antworten einbezieht.

Eine Copilot-Einführung ist deshalb weit mehr als die Bereitstellung einer neuen Software. Sie betrifft Datenqualität, Governance, Datenschutz, Compliance und vor allem die Arbeitsweise Ihrer Mitarbeitenden. Ein strukturierter Ansatz, wie wir ihn im Rahmen unseres Cloud Consultings verfolgen, verlangsamt die Einführung nicht. Im Gegenteil: Werden organisatorische und technische Grundlagen frühzeitig berücksichtigt, entstehen belastbare Pilotprojekte mit messbarem Nutzen und ohne kostspielige Nacharbeiten.

 

Was ist Microsoft Copilot? Die wichtigsten Varianten im Überblick

Microsoft verwendet den Begriff „Copilot“ inzwischen für eine Vielzahl von Produkten. Daher ist die Aussage „Wir nutzen Copilot“ oft wenig aufschlussreich. Im Microsoft-Ökosystem existieren heute unterschiedliche Copilot-Lösungen für verschiedene Zielgruppen und Anwendungsfälle:

  • Microsoft 365 Copilot für Endanwender in Outlook, Teams, Word, Excel und weiteren Anwendungen
  • Azure OpenAI für individuelle KI-Anwendungen und Softwareentwicklung
  • Copilot Studio für die Erstellung eigener Agenten, Automatisierungen und Geschäftsprozesse
  • GitHub Copilot für Entwickler
  • KI-Funktionen innerhalb der Power Platform
  • KI-Dienste auf Basis von Azure AI Foundry

Für Unternehmen lassen sich die Angebote vereinfacht in drei Kategorien einteilen:

  • Microsoft 365 Copilot für Wissensarbeiter
  • Azure OpenAI für Entwickler
  • Individualanwendungen sowie Copilot Studio für Automatisierung und KI-Agenten

Wichtig: Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Copilot-Einführung für Wissensarbeiter, also Microsoft 365 Copilot und damit die Variante, die für die meisten Ihrer Mitarbeitenden relevant ist. Eine detaillierte Übersicht zu Funktionen, Lizenzierung und Voraussetzungen finden Sie auf unserer Seite zu Microsoft Copilot für Unternehmen.

Copilot Web Chat vs. Microsoft 365 Copilot: Ein häufiges Missverständnis

Ihre Mitarbeitenden nutzen möglicherweise bereits die kostenlose Web-Chat-Funktion im Browser und gehen davon aus, dass es sich dabei um dieselbe Lösung handelt, die auch produktiv im Unternehmen eingeführt werden soll. Tatsächlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Produkte mit sehr unterschiedlichem Funktionsumfang:

Merkmal Copilot Web Chat Microsoft 365 Copilot
Kosten

In vielen Microsoft-365-Lizenzen bereits enthalten

Kostenpflichtiges Zusatzmodul zur bestehenden M365-Lizenz

Zugriff auf Unternehmensdaten Kein Zugriff auf E-Mails, Dateien oder Kalender Zugriff auf E-Mails, Dokumente, Meetings und Chats über Microsoft Graph
Integration Browserbasiert, z. B. in Microsoft Edge Direkt in Word, Excel, Outlook, Teams und PowerPoint
Typischer Einsatzzweck Allgemeine Fragen, ähnlich einem öffentlichen KI-Chat Kontextbezogene Unterstützung im konkreten Arbeitsalltag

Unterschiede zwischen Copilot Web Chat und Microsoft 365 Copilot.

Gut zu wissen:
Nur Microsoft 365 Copilot verschafft Unternehmen den eigentlichen Produktivitätsgewinn, weil er auf unternehmensinterne Inhalte zugreifen darf.

Möchten Sie Copilot einführen, um Teams tatsächlich im Arbeitsalltag zu entlasten, sollten Sie deshalb von Anfang an mit dieser lizenzpflichtigen Variante planen.

 

Copilot-Einführung in der Praxis: Drei Reifegrade der Unternehmen

Sie befinden sich aktuell wahrscheinlich in einer von drei Phasen: Sie beobachten noch, Sie testen bereits, oder Sie führen ein konkretes Pilotprojekt durch.

1. Sie warten noch ab

Lange Zeit war Zurückhaltung nachvollziehbar. Die Technologie befand sich in einer frühen Entwicklungsphase, rechtliche Rahmenbedingungen waren unklar und belastbare Aussagen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis kaum möglich. Heute sieht die Situation jedoch anders aus.

Microsoft 365 Copilot ist als etabliertes Produkt verfügbar. Unternehmen können erste Erfahrungen sammeln, Pilotprojekte durchführen und konkrete Einsatzszenarien bewerten. Parallel entwickeln sich regulatorische Rahmenbedingungen zunehmend weiter. Wer jetzt weiterhin ausschließlich beobachtet, verliert wertvolle Zeit. Der größte Aufwand bei Ihrer Copilot-Einführung liegt nicht in der technischen Bereitstellung von Lizenzen, sondern in der organisatorischen Veränderung.

Viele Unternehmen konzentrieren sich zunächst auf Prompt-Schulungen. Das allein wird jedoch kaum zu nachhaltigen Produktivitätssteigerungen führen. Der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo Ihre Mitarbeitenden ihr Fachwissen mit KI kombinieren und bestehende Prozesse neu denken.

Achtung: Risiko ohne Leitlinie
Mitarbeitende nutzen KI-Werkzeuge oft schon heute, häufig außerhalb offizieller Unternehmensprozesse. Ohne eine verständliche KI-Richtlinie entsteht Unsicherheit darüber, welche Daten verarbeitet werden dürfen und welche nicht. Eine kurze, praxisnahe Regelung ist meist wertvoller als ein umfangreiches Regelwerk, das im Arbeitsalltag niemand liest.

 

2. Sie testen bereits

Sie befinden sich derzeit möglicherweise in der Testphase. Das ist grundsätzlich positiv, führt aber nicht automatisch zu einer erfolgreichen Copilot-Einführung.

Häufig konzentrieren sich Tests vor allem auf technische Fragestellungen:

  • Wie gut sind die Antworten?
  • Welche Prompts funktionieren?
  • Welche Funktionen stehen zur Verfügung?

Deutlich seltener werden die organisatorischen Voraussetzungen überprüft. Dabei zeigen sich immer wieder dieselben Herausforderungen, auch bei Ihnen:

  • Über Jahre gewachsene SharePoint-Berechtigungen
  • Fehlende Datenklassifizierung
  • Unstrukturierte Dokumentenablagen
  • Nicht definierte Governance-Prozesse
  • Späte Einbindung von Datenschutz und Compliance

Diese Themen lassen sich zwar auch nachträglich bearbeiten, verursachen dann jedoch deutlich höhere Aufwände als bei einer frühzeitigen Berücksichtigung.

Übrigens:
Bevor Copilot live geht, sichern wir Ihre Umgebung im Rahmen der Cloud Security technisch ab. Ein erfolgreicher Test bewertet deshalb nicht nur die Technik, sondern auch die organisatorische Reife Ihrer Umgebung.

 

3. Sie führen ein Pilotprojekt durch

Sie stehen mit Ihrem laufenden Pilotprojekt dem produktiven Einsatz bereits deutlich näher. Trotzdem bleiben wichtige Fragen häufig unbeantwortet:

  • Was ist eigentlich das Ziel des Piloten?
  • Soll Zeit eingespart werden?
  • Soll die Qualität von Ergebnissen steigen?
  • Sollen Prozesse automatisiert werden?

Viele Pilotprojekte verlassen sich auf subjektive Eindrücke und hoffen auf den bekannten „Aha-Effekt“. Selten werden dagegen konkrete Kennzahlen definiert, etwa der Zeitaufwand für Besprechungsprotokolle, die Termin- und Kundenvorbereitung, Bearbeitungszeiten wiederkehrender Anfragen oder die Entlastung von Fachabteilungen durch KI-Agenten. Eine klare Cloud-Strategie hilft Ihnen dabei, solche Ziele von Anfang an festzulegen.

Häufige Fehler im Pilotprojekt:

  • Einseitige Pilotgruppe:
    Sind nur technikaffine Mitarbeitende beteiligt, erzielen Sie schnell gute Ergebnisse, Ihre Pilotgruppe repräsentiert dann aber nicht die gesamte Belegschaft. Skeptische Kolleginnen und Kollegen werden erst spät eingebunden, obwohl sie für Ihren späteren Roll-out entscheidend sind.
  • Governance wird verschoben:
    Berechtigungs- und Datenschutzfragen gelten als „nur für den Piloten“ nicht dringend. Die zugrunde liegenden Risiken bleiben jedoch dieselben.
  • Fehlende Zieldefinition:
    Ohne klare Kennzahlen lässt sich der Erfolg Ihres Piloten am Ende nicht belastbar bewerten.

 

Auch inhaltlich bleibt das Risiko bestehen: Copilot sieht nur die Daten, auf die ein Benutzer bereits zugreifen darf, doch historisch gewachsene Berechtigungen führen in der Praxis häufig dazu, dass Ihre Nutzer deutlich mehr Informationen sehen können als ursprünglich beabsichtigt. Zusätzlich verschlechtern veraltete Dokumente und redundante Datenbestände die Qualität der Ergebnisse.


Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Copilot-Einführung

Sie sollten nicht länger darauf warten, dass KI „fertig“ wird. Die Technologie wird bereits heute täglich genutzt, oft auch außerhalb offizieller Unternehmensprozesse.
Ein sinnvoller Ansatz besteht darin, Ihre Einführung schrittweise und kontrolliert vorzunehmen:

  1. Aktuelle Ausgangslage bewerten
  2. Pilotgruppe bewusst zusammenstellen, nicht nur aus technikaffinen Mitarbeitenden
  3. Konkrete Anwendungsfälle identifizieren
  4. Ziele und Messgrößen festlegen
  5. Datenschutz und Compliance frühzeitig einbinden
  6. Eine einfache KI-Richtlinie erstellen
  7. Governance-Strukturen etablieren
  8. Datenqualität und Berechtigungen verbessern

 

Mein Praxistipp zur Erfolgsmessung:

Microsoft 365 stellt eigene Auswertungen zur Copilot-Nutzung bereit, etwa dazu, wie aktiv einzelne Anwendungen genutzt werden. Wer diese Auswertungen von Beginn an im Blick behält, erkennt frühzeitig, ob eine Abteilung zusätzliche Schulung braucht oder ob sich einzelne Use Cases besonders bewähren, statt sich am Ende nur auf subjektive Eindrücke zu verlassen.

Betrachten Sie Ihre Copilot-Einführung nicht als klassisches Projekt. KI verändert Arbeitsweisen kontinuierlich. Erfolgreiche Organisationen betrachten die Einführung deshalb als langfristigen Veränderungsprozess.

Als zertifizierter Microsoft 365 Partner unterstützen wir Sie dabei:
•    Transparenz über vorhandene Datenbestände zu schaffen
•    Risiken zu priorisieren
•    Governance-Maßnahmen schrittweise auszubauen

 

Fazit:
Copilot-Einführung: Strukturiert zum Erfolg

Die Einführung neuer Technologien erfolgt selten abrupt. Meist durchlaufen Unternehmen dieselben drei Entwicklungsstufen: Beobachtung, Test und Pilotprojekt.

Dabei wird häufig unterschätzt, dass eine Copilot-Einführung nicht mit der Einführung eines klassischen Softwareprodukts vergleichbar ist. Copilot greift auf Informationen aus der gesamten Microsoft-365-Landschaft zu, Ihrem Modern Workplace, und die Qualität der Ergebnisse hängt daher unmittelbar von der Qualität Ihrer vorhandenen Daten, Berechtigungen und Prozesse ab. Die Copilot-Einführung ist deshalb kein reines IT-Projekt, sondern betrifft Ihr gesamtes Unternehmen, mit besonderen Anforderungen an Governance, Datenschutz, Compliance und Change Management.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob KI in Unternehmen eingesetzt wird, sondern wie kontrolliert und erfolgreich dies geschieht. Ihre Mitarbeitenden nutzen KI bereits heute. Schaffen Sie keine Rahmenbedingungen, überlassen Sie die Entwicklung dem Zufall.

Microsoft Copilot bietet enormes Potenzial zur Steigerung von Produktivität und Effizienz. Der nachhaltige Erfolg hängt jedoch weniger von der Technologie selbst ab als von der Qualität Ihrer Daten, klaren Governance-Strukturen und der Bereitschaft Ihrer Mitarbeitenden, neue Arbeitsweisen zu entwickeln.

 


Sie möchten Copilot kennenlernen? Sie überlegen den Einsatz in Ihrem Unternehmen?

Wir zeigen Ihnen die Möglichkeiten und begleiten Sie auf dem gesamten Weg - vom ersten Überblick über die Einführung bis zur Nutzung. Nähere Informationen dazu finden Sie auf usnerer Seite Microsoft Copilot Beratung.

Dort finden Sie auch alle weiteren Details zu unseren Copilot-Workshop-Paketen, die Ihnen den Einstieg erleichtern.

Sie haben Fragen zum Thema Copilot und deren Einführung

Sven Schmücker
Cloud-Berater | Copilot-Experte

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